Hautbiopsien in der Gynäkologie

Die Biopsie in der Gynäkologie

Die Biopsie mit anschließender histopathologischer Untersuchung nimmt in der medizinischen Diagnostik eine zentrale Stellung ein. Trotz Einführung neuer Untersuchungstechniken - von den bildgebenden bis hin zu den modernen serologischen Diagnoseverfahren - gibt die Biopsie weiterhin den „Goldstandard“ vor, an dem sich alle anderen Verfahren messen lassen muØssen.
FuØr kein Organ hat die Biopsie größere Bedeutung als fuØr die Haut.

Dies hat mehrere Gründe:
1. Biopsien der Haut lassen sich leicht und nebenwirkungsarm durchführen
(in der Regel mit Einmalhautstanzen, wie Biopsy Punch Faroderm);

2. Die Hautbiopsie wird unter direkter optischer Kontrolle vorgenommen, so dass
in der Regel die Stellen erfasst werden, an denen die histopathologischen
Charakteristika einer Erkrankung am deutlichsten zu Tage treten;

3. Dieses Vorgehen ermöglicht eine genaue klinisch-histopathologische
Korrelation, so dass Krankheiten nicht nur in ihrer klassischen Form, sondern
in allen ihren Varianten und Entwicklungsstadien erkannt werden können;

4. Aufgrund dieser besonderen Konstellation ist die Dermatopathologie viel weiter entwickelt als jedes andere Gebiet der Humanpathologie, so dass die Aussagekraft der dermato-histopathologischen Untersuchung besonders hoch ist.

Die Vulvabiopsie

Eigenartigerweise ist diese Entwicklung der Dermatohistopathologie an einer
Körperregion weitgehend vorbeigegangen - an der Vulva. Dabei unterscheidet sich die Vulva nicht grundsätzlich von anderen Hautpartien:
Mit Ausnahme des Vestibulums und angrenzender Anteile der Innenseite
der Labia minora wird die Vulva von verhornendem Plattenepithel bedeckt. Die
Labia minora weisen apokrine Drüsen und Talgdrüsen und die Labia majora
zusätzlich Haarfollikel auf. Zwar gibt es einige anatomische Besonderheiten wie
zum Beispiel eine starke Vaskularisation der Dermis, aber solche lokalisationsabhängigen Besonderheiten gibt es auch in anderen Hautregionen.
Für eine Sonderbehandlung der Vulva gibt es also keine anatomischen GruØnde.

Indikationen zur Vulvabiopsie

Eine Indikation zur Vulvabiopsie besteht bei allen Veränderungen, die klinisch
nicht sicher eingeordnet werden können. Im Falle schwerer Entzündungen
oder offenkundiger maligner Tumoren wird es über die Indikation zur Biopsie
kaum Zweifel geben. Aber auch bei weniger stark ausgeprägten Befunden und
mäßigen Beschwerden sollten Biopsien erfolgen, denn nicht selten verbergen sich
hinter uncharakteristischen klinischen Veränderungen chronische entzündliche
Dermatosen, die histopathologisch gut voneinander abgegrenzt werden können
und einer differenten Therapie zugänglich sind. Auch maligne Neoplasien manifestierensich häufig in Form einer mit Juckreiz einhergehenden Rötung und
täuschen dadurch lediglich entzündliche Dermatosen vor.

Pruritus

Pruritus ist zum Beispiel das häufigste Symptom von Basalzellkarzinomen der
Vulva, die oft erst mit großer Verzögerung erkannt und therapeutisch angegangen
werden. Auch der extramammäre Morbus Paget wird nicht selten erst in einem Stadium diagnostiziert, in dem wegen seiner großen Ausdehnung die Behandlung schwierig ist, nur weil über Jahre hinweg auf eine Biopsie verzichtet wurde. Bei Veränderungen, die klinisch ein sicheres Urteil erlauben, ist eine Biopsie nicht erforderlich. Allerdings sollte die Indikation zur Biopsie nicht zu eng gestellt werden. So können zum Beispiel ein Herpes genitalis durch Aphthen oder Artefakte und Condylomata acuminata durch eine bowenoide Papulose oder eine Papillomatosis vulvae vorgetäuscht werden. Auch ein Erregernachweis sollte nicht in falsche Sicherheit wiegen, da pathogene Keime wie zum Beispiel Candida albicans nicht selten vorgeschädigtes Epithel befallen. Das Erkennen der zugrunde liegenden Dermatose ist in solchen Fällen wichtig, um eine spezifische Therapie einzuleiten und rezidivierenden Infektionen vorzubeugen.

Biopsie stets bei ungewöhnlichem Verlauf oder mangelndem Therapieerfolg

Grundsätzlich sollte auch bei sicher erscheinender Diagnose immer dann
biopsiert werden, wenn der Verlauf ungewöhnlich und der Therapieerfolg unbefriedigend ist. Selbst wenn sich durch die histopathologische Untersuchung keine neuen Aspekte ergeben sollten, hat die Maßnahme ihren Wert, da schwerwiegende Prozesse ausgeschlossen und die Patientinnen beruhigt und bestärkt werden. Darüber hinaus ist die histopathologische Untersuchung für den Kliniker die beste Form der Qualitätskontrolle. Wird auf diese Qualitätskontrolle verzichtet, ist langfristig ein hohes diagnostisches Niveau kaum aufrechtzuerhalten, da aus Diagnosefehlern nicht gelernt werden kann.

Auszug aus:

Erkrankungen der Vulva (I); Gyne 2002, S. 4ff
Wolfgang Weyers, Carlos Diaz, Eiko E. Petersen

Die Stanzbiopsie mit der Faroderm Hautstanze (Biopsy Punch) ist ein standardisiertes Verfahren zur Gewinnung von Hautproben.
Faroderm Hautstanzen (Biopsy Punch) als sterile Einmalinstrumente, gibt es in den Größen: 2/3/4/5/6 und 8 mm